Fahrzeug-Korso vor dem Rathaus: „Menschen in Bewegung“

... und über 300 Menschen, vom Kind bis zur Seniorin, haben mitgemacht. Am 2.6. haben wir gezeigt, wer wir sind. Vor dem Bielefelder Rathaus über den Niederwall, immer um die grüne Verkehrsinsel herum, haben wir unsere Runden gedreht. Zu Fuß, mit Plakaten, Gitarren, Trillerpfeifen und mit allem was Räder hat: Skateboards, Roller, Bobbycars, Rollstühle und Rollatoren. Seifenblasen, Rettungsringe und Schwimmflügel für unser Motto "Das Wasser steht uns bis zum Hals" hatten die Demonstrantinnen und Demonstranten auch noch mitgebracht, und so haben wir gezeigt: Es ist ein breiter Querschnitt durch die Bielefelder Bevölkerung, der mit uns und für unsere Forderungen auf die Straße geht. Denn es geht um uns alle, um soziale Initiativen für alle Menschen in unserer Stadt.

"Wir wollen zeigen, was wir tun: Wir bringen Menschen in Bewegung", erklärte Katja Häckel, Geschäftsführerin des Bielefelder Jugendringes die Idee für den ungewöhnlichen Fahrzeugkorso. "Wir Mitarbeiter_innen der Jugend- und Wohlfahrtsverbände, der Kinder-und Jugendeinrichtungen ermöglichen vielen Bielefelder_innen die Teilhabe am sozialen Leben, vom Roller bis zum Rollstuhl oder Rollator, und das haben wir heute eindrucksvoll präsentiert."

Etappensieg unseres Protestes
Wenige Tage vor der Aktion hatte die Paprika-Koalition aus dem Rathaus (SPD, Grüne, Bürgernähe und Piraten) angekündigt, die Personalkostensteigerungen für 2017 anders als bisher beschlossen nun doch zu übernehmen. "Erst mal für ein Jahr - das gibt natürlich noch keine Planungssicherheit, ist aber schon mal ein gutes Zeichen", erklärte Bernd Onckels vom Diakonieverband Brackwede. "Und es zeigt, dass die Politiker uns zugehört und nachgedacht haben. Das ist mehr, als ich in den letzten Jahren erlebt habe." Aber, so ergänzte Ralf Müller, Vorsitzender des Bielefelder Jugendrings: "Diese Zusage wurde aufgrund einer neuen Haushaltsberechnung gemacht. Über soziale Arbeit kann man aber nicht mit dem Rechenschieber entscheiden. Es ist eine politische Grundsatzentscheidung, ob man Tariflöhne ermöglichen will oder nicht. Und das erwarten wir von unseren Politiker_innen." Marc Korbmacher von der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände: "Und jetzt hoffen wir auf die Einsicht der Politik am 30.6., wenn der Rat über unsere Forderungen entscheidet."

Ein Rettungsring für den Oberbürgermeister
Diesen Wunsch brachten nach Abschluss des Fahrzeug-Korsos gut 100 der Demonstrant_innen auch noch direkt an die oberste Adresse. Kurz vor der Ratssitzung trafen sie im Rathaus den Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD). Ralf Müller überreichte dem Stadtoberhaupt Clausen einen orangen Rettungsring mit einem daran festgeknoteten Taschentuch, "damit Sie bis zur entscheidenden Sitzung am 30.6. nicht vergessen, dass die Stadt unsere Personal- und Sachkostensteigerungen übernehmen muss, weil wir sonst das soziale Angebot in Bielefeld einschränken müssten. Deshalb sagen wir Ihnen gleich: Wenn die Stadt die Kostenübernahme beschließt, dann dürfen Sie den Rettungsring behalten. Wenn Sie bei der Kostendeckelung bleiben, dann holen wir uns den Rettungsring wieder ab, denn dann werden wir ihn brauchen. Uns steht das Wasser bis zum Hals."

Pit Clausen nahm das symbolische Geschenk entgegen und sagte: "Ihr Anliegen ist angekommen. Es gab ja schon eine politische Initiative der Mehrheit, die Kosten für 2017 zu übernehmen. Und ich kann Ihnen auch schon sagen: für 2018 und 2019 sind die Signale in diese Richtung gestellt." Dann ergänzte er, an die Demonstrant_innen gewandt: "Ich hoffe, Sie kommen ohne Rettungsring über die Runden, denn wir brauchen Sie alle weiterhin als Partner in wichtigen Handlungsfeldern in Bielefeld."

 

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Zeitungsartikel zu der Protestaktion:

>> Zum Artikel, Neue Westfälische, 03.06.2016

>> Zum Artikel, Westfalen-Blatt, 03.06.2016

 

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